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Freie Erfinder haben es nicht leicht

 

Jedes Kind lernt schon in der Schule die Namen und Leistungen berühmter Erfinder aus aller Welt kennen: Alexander Bell, Rudolf Diesel, Guglielmo Marconi, Alfred Nobel, Nikolaus A. Otto, um nur einige aus dem Heer von Tausenden zu nennen. Erfindungen und die damit verbundenen Innovationsschübe sind mitentscheidende Triebkräfte für wirtschaftliche Entwicklungen. So ist nicht zuletzt der gute Ruf von Erzeugnissen aus Deutschland, der Begriff "Made in Germany", auch seinen Erfindern zu verdanken.

Die Zahl von Erfindungen wächst unaufhörlich. 

Da jedoch nicht jede Innovationsidee ihre Anwendung in der Wirtschaft findet und auch keine entsprechende Statistik geführt wird, kann man nur sehr bedingt diese Entwicklung in Zahlen fassen. Die Patentanmeldungen, und sie erfassen aus verschiedensten Gründen bei weitem nicht alle Erfindungen, bestätigen diesen Trend. Doch viele patentfähige Erfindungen werden aus Kostengründen, aus der Meinung heraus, der Patentschutz würde keinen Vorteil bringen, oder gar aus Unkenntnis erst gar nicht angemeldet. Und dieses Problem betrifft in erster Linie Kleinunternehmen und freie Erfinder. Die Großindustrie und die durch die öffentliche Hand finanzierten Forschungseinrichtungen haben schon immer um die Bedeutung des gewerblichen Rechtschutzes gewusst.

Gegenwärtig belaufen sich die in der Bundesrepublik getätigten Anmeldungen auf ca. Hunderttausend im Jahr. Davon kommen 75% aus Unternehmen, nur 3% aus dem öffentlichen Forschungsbereich und 22% betreffen die Anmeldekategorie freier Erfinder.

 

Wer sind die freien Erfinder und was leisten sie?

Mit dem Begriff freie Erfinder werden all diejenigen bezeichnet, die sich  außerhalb der Wirtschaft und Forschung auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, mit Inno­vationsideen tragen und  Erfindungen machen. Es sind zumeist Individualisten, die allein oder in Clubs von Gleichgesinnten wirken und eigene Freizeit und Mittel für die Verwirklichung ihrer Ideen einsetzen. In ihrem Tun und Handeln sind sie zunächst an kein Brancheninteresse gebunden. Die Interessen der Wirtschaft und ihrer konkreten Branchen treten zumeist erst später auf, wenn eine wirtschaftliche Nutzung der Erfindungen angestrebt wird.

Durch die wachsende Komplexität der Materie, mit der sie sich beschäftigen, ist die Zahl von grundlegenden Erfindungen ihrerseits relativ gering. (Im 19. und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts sah es viel günstiger aus.) Oft betreffen ihre Ideen Randprobleme und erscheinen skurril. Aber die Mehrzahl der Ergebnisse von freien Erfindern zeugt von ihrer Kreativität und birgt großes wirtschaftliches Potential in sich. Um den Produktionsfaktor Kreativität dieser Enthusiasten zu erfassen und potentiellen Interessenten notwendige Informationen zu vermitteln, wurde u. a. von der öffentlichen Hand das Verbundprojekt - Innovationsstimulierung der deutschen Wirtschaft (INSTI) - ins Leben gerufen.

Und doch steht der freie Erfinder, will er seine Ideen verwirklicht sehen, diese auf dem Markt durchsetzen, vor schier unlösbaren Problemen. Wenn die erfolgreiche Verwertung von Patenten heute unter 5% der jährlichen Anmeldungen liegt, so ist der Anteil der freien Erfinder daran noch um vieles geringer.

Welche Schritte hat ein Innovator auf dem Weg von der Idee bis zur Markteinführung zu unternehmen, sei es allein oder mit Hilfe seines Clubs:

·        Idee und deren Niederschrift;

·        Ermittlung des Standes der Technik, Patentrecherche usw.;

·        Auswahl eines Patentanwalts, Patenterstellung und -anmeldung;

·        Kosteneinschätzung des angebotenen Erzeugnisses oder

      Verfahrens  und Marktanalyse;

·        Herstellung eines Musters und Labormodels zu

      Vorführzwecken und Funktionsnachweis;

·        Teilnahme an Ausstellungen und Messen;

·        Durchführung von Versuchsreihen;

·        Nacharbeit der Versuchsmuster bis zum marktreifen Erzeugnis;

·        Erstellung von Unterlagen für eine Serienproduktion;

·        Markteinführung.

Ein großer Teil der genannten Punkte ist ziemlich kostenintensiv, so dass der freie Erfinder arg in Bedrängnis geraten kann. Ihm fehlen die notwendigen finanziellen Mittel. Um aber  Fördermittel zu erhalten, benötigt er einen Partner, der bereit ist, bis zu 50% der für den Förderzweck vorgesehenen Kosten zu übernehmen. Als natürliche Partner erscheinen hierfür die kleinen- und mittleren Unternehmen (KMU). Doch oft fehlen auch diesen dafür die  Mittel. Sie sind an der Erfindung interessiert, sehen wie diese in die Palette ihrer Erzeugnisse hineinpassen könnte. Zugleich bedeutet aber jeder Einstieg in ein noch nicht bis zu Ende durchgearbeitetes und erprobtes Erzeugnis ein Risiko. Deshalb ziehen es viele Mittelständler vor, ein fertiges Produkt, eine zur Serienreife entwickelte Erfindung bzw. ein Verfahren zu erwerben, und nicht in die Entwicklung selbst Geld hineinzustecken.

Der Markt fordert ständig neue Produkte, effektivere Verfahren und Dienstleistungen. Die Förderung von marktfähigen Ideen freier Innovatoren vom Patent bis zum fertigen Produkt könnte für eine erfolgreichere wirtschaftliche Entwicklung von großem Nutzen sein. Hierfür müssten Rahmenbedingungen verändert bzw. zum Teil erst neu geschaffen werden.

Partner erforderlich

Dem Entwickler sollte ein ihn fördernder Partner zur Seite gestellt werden, der ihn auf dem steinigen Weg von der Idee bis zum marktreifen Produkt helfend begleitet. Diese Aufgabe könnten Zentren zur Förderung von Erfindungen und Innovationen übernehmen.

Ihre Aufgabe wäre die:

1. Ersteinschätzung der Erfindung und ihrer möglichen Chancen auf dem Markt.

2. Beratung und Hilfe bei der Erstellung von Patenten und bei der Beantragung von gewerblichem Rechtsschutz.

3. Promotion von ausgewählten Erfindungen und Innovationsvorschlägen in der Frage der Fördermittel.

4. Kontaktherstellung zu wissenschaftlichen Einrichtungen.

5. Erfassung in einer zentralen Datenbank. Diese Aufgabe wird bereits vom INSTI durchgeführt. 

Diesem Zentrum bzw. solchen Zentren müssten bestehende bzw. neuzugründende Technoparks, Inkubatoren oder einzelne spezialisierte Werkstätten zur Herstellung von Demonstrations- und Versuchsmodellen zur Verfügung stehen.

Bei Erfindungen, die von einem solchen Zentrum nicht für förderwürdig angesehen werden, kann der Autor, so wie es bisher üblich ist, entscheiden, ob er seine Erfindung patentieren lassen will oder nicht. Zur Finanzierung des hier angedachten Konstrukts könnte eine Stiftung gegründet werden, die aus Mitteln aus der Wirtschaft, der öffentlichen Hand und auch anteilig aus Rücklaufmitteln von erfolgreichen Erfindern gespeist wird.  

Eins ist klar, die bisherigen Rahmenbedingungen für die freien Erfinder sind unzureichend. Sie lassen viele gute Produkte, Dienstleistungsmöglichkeiten und Ideen auf der Halde ungenutzt verrotten. Die freien Erfinder brauchen die Wirtschaft, insbesondere die KMU's und die Wirtschaft braucht die freien Erfinder.

 

 Autoren: Dipl. Ing. Rudolf Dohm, Dr. Pawel Dohm

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