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"Die
Qual der Wahl" bei der Starthilfe
Der
kometenhafte Aufstieg der meisten Hightech-Firmen in den USA wäre
undenkbar gewesen, hätte es die Business Angels nicht
gegeben. Das sind private Investoren mit
Managementerfahrungen, die ihr Kapital nicht ausschließlich
in Aktien, sondern in junge Start-Ups der Hochtechnologie
anlegen. In den USA ist dies ein selbstverständlicher Akt der
Unternehmenskultur. Jährlich fließen dort auf diese Weise
rund 50 Milliarden Dollar in junge Unternehmen. Rund eine
Million Business Angels sind in den USA aktiv.
Wie
die Zeitschrift "Wirtschaft & Markt" unlängst in
einem Sonderheft zum Thema "Unternehmensgründung 2001"
feststellte, wird in Deutschland die Zahl der potenziellen
Angels auf 200.000 geschätzt. Davon sind allerdings nur rund
27.000 aktiv.
Business
Angels helfen
Die
Kapital-Beteiligung der Business Angels bewegt sich meist
zwischen 100.000 und 500.000 Mark. Business Angels springen
ein, wenn der Bank das Risiko zu groß und den großen Venture
Capital Gesellschaften wiederum die Anlagesumme zu klein
erscheint.
Business
Angels sind deshalb für junge Unternehmer besonders in der Frühphase
des Unternehmens interessant. Der Business Angel ist zugleich
auch Mentor des Gründers. Mindestens so wichtig wie seine
Kapitalbeteiligung ist das Wissen der Business Angels, denn
sie bringen das unternehmerische Know-how mit, das den Gründern
meist fehlt.
Business
Angels beraten den oder die Gründer in allen wichtigen Fragen
der Unternehmensführung und des Gründungsmanagements. Einen
Business Angel an Bord zu haben erfordert aber auch für
Jungunternehmer ein Umdenken: Er muss akzeptieren, dass der
erfahrene Teilhaber über alle Unternehmensinterna informiert
sein möchte und Management-Fehler offen anspricht.
Als
weiteren Vorteil stellt die Zeitschrift heraus, dass seriöse
Business Angels keine Mehrheit und keine Führungsrolle im
Unternehmen anstreben. Wichtig ist vor allem, dass die
"Chemie" zwischen Gründer und Angel stimmt. Denn nicht
unbedingt jeder Helfer passt zu jedem Unternehmen. Wer den
richtigen Business Angel finden will, sollte mehrere Angebote
vergleichen und prüfen. Folgende Kriterien sollten in
Betracht gezogen werden:
-
Branchenerfahrung, Marktkenntnis;
-
Referenzen;
-
Kapitaleinsatz;
-
Renditeerwartungen;
-
Übereinstimmung des Zeitplans des Business Angels mit
dem
Start-Up;
-
Kontakte zu anderen Kapitalgebern, zu
Forschungseinrichtungen
und Universitäten;
-
Angebot konkreter Managementhilfen
(Produktionsmanagement, Controlling, Vertrieb,
Marketing, Unternehmensrecht etc.);
-
Verfügbarer Zeitfonds;
-
Anspruch des Business Angels auf Einfluss im Geschäft;
-
Räumliche Nähe/Erreichbarkeit des Business Angels.
Brutkästen
für Gründer
Seit
ungefähr zwei bis drei Jahren sorgen Inkubatoren (Brutkästen)
in der Gründerszene für Furore. Der Name kommt nicht von
ungefähr: Inkubatoren wollen junge Unternehmens-Gründer
ausbrüten, sie füttern und mästen. Diesen Zielen widmen
sich Einzelpersonen, Unternehmensberater, Agenturen und
Unternehmen, die das nötige Know-how dafür besitzen.
Kapital
bringen Inkubatoren - im Unterschied zu Business Angels oder
Venture-Capital-Gesellschaften (VC-Gesellschaften) - in der
Regel nicht mit. Ihre Daseinsberechtigung beziehen sie vor
allem aus dem großen Beratungs- und Betreuungsbedarf für
Gründer, stellt "Wirtschaft und Markt" weiter heraus.
Ihre Dienstleistungen lassen sie sich in Form von
Firmenanteilen vergüten. In der Hoffnung, dass sich die von
ihnen aufgepäppelten Unternehmen schon nach einigen Monaten
gut weiterverkaufen lassen. Dies ist nicht nur für
Inkubatoren, sondern auch für die jungen Unternehmen riskant.
Die Gefahr liegt nahe, an einen Inkubator zu geraten, der dann
nur Interesse an der "schnellen Mark" hat.
Kehrseite
der Medaille
Die
meisten Inkubatoren in Deutschland lassen sich mit 20 bis 40
Prozent der Geschäftsanteile bezahlen. Die Kehrseite: Junge
Firmeninhaber verlieren auf diese Weise einen Teil ihrer
Firma. Dies kann z.B. ein Hindernis sein, wenn später eine
potente VC-Gesellschaft einsteigen soll, die im Gegenzug eine
Beteiligung verlangt. Wenn der Inkubator bereits einen großen
Anteil hat, wird das Investment für die VC-Gesellschaft
uninteressant.
Die
Inkubatoren stehen ohnehin in einer Konkurrenz zu den Business
Angels und zu den VC-Gesellschaften. Einige Vertreter von
renommierten VC-Gesellschaften bestreiten gar, dass Start-Ups
mit Inkubatoren-Modellen überhaupt erfolgreich sein können.
Ihr
Argument: Wer sich dauerhaft auf dem Markt etablieren will,
muss zunächst einmal investieren und auch noch nach geraumer
Zeit in der Lage sein, Fehlentscheidungen zu korrigieren. Dazu
braucht es vor allem reichlich Kapital, das die Inkubatoren
meist nicht oder nicht ausreichend mitbringen können.
Inkubatoren
verdienen übrigens nicht nur mit den Anteilen erfolgreicher
Jungunternehmen. Einige, vor allem Internetagenturen,
verkaufen den Start-Ups auch dringend benötigte
Agenturdienstleistungen.
Damit
züchten sie praktisch ihre eigenen Kunden heran. Bei dieser
Abhängigkeit stellt sich die Frage, ob die geförderten
Unternehmen diese Leistungen bei anderen Anbietern nicht
preiswerter einkaufen könnten. Allerdings hat die Krise am
Neuen Markt auch die Inkubatoren-Szene neu bewertet. Allmählich
trennt sich die Spreu vom Weizen. Einige Inkubatoren sammeln
jetzt Geld ein, um es den Start-Ups zur Verfügung zu stellen.
Damit werden Inkubatoren quasi zu Frühphasen-Venture-Capitalisten.
Zu
den Leistungen von Inkubatoren zählen:
-
Geschäftsräume inklusive moderner Ausstattung;
-
Dienstleistungen von Catering über Post bis Buchhaltung;
-
Vermittlung von Fachkräften;
-
Beschaffung von Fördermitteln, Beteiligungen und
Finanzierungen;
-
Consulting, insbesondere in Marketing und Vertrieb;
-
Zugang zu regionalen, nationalen und internationalen
Netzwerken.
Wer
keinen privaten Inkubator anheuern will, findet den
notwendigen Service
preiswert
und schnell in Innovationszentren. Dieser Begriff umfasst die
Technologie- und Gründerzentren (TGZ) auf Landesebene sowie
lokale Büro- und Gewerbezentren, die spezielle Bedingungen für
die Gründung von Unternehmen, insbesondere von
Technologieorientierten Firmen bieten.
Die
Vorteile: Gute TGZ bieten den gleichen Service wie
Inkubatoren, kosten deutlich weniger Geld und verlangen auch
keine Bezahlung in Firmenanteilen.
Alternative
TGZ
Bundesweit
existieren rund 400 solcher Innovationszentren mit mehr als
10.000 Unternehmen und rund 70.000 Beschäftigten. Sie sind
Instrumente der regionalen und lokalen Wirtschaftsförderung.
Die Technologiezentren bieten
-
Beratungs- und Unterstützungsleistungen für die
Unternehmensentwicklung ;
-
Zugang zum Kontakt- und Kommunikationsnetzwerk des
Zentrums;
-
Konferenzräume und Präsentationstechnik;
-
Telekommunikationseinrichtungen und Internetzugang;
-
Laborausstattung;
-
Räumlichkeiten, Postservice, Projektmanagement.
Die
Auswahl unter den TGZ fällt allerdings nicht leicht. Gründer
sollten durchaus mehrere Standorte vergleichen und dabei
folgende Kriterien beachten:
-
Entspricht
der Standort dem Unternehmensprofil?
-
Bietet
das Zentrum gute Beratungs- und Betreuungs
leistungen?
-
Sind
Infrastruktur und Ausstattung auf dem neuesten Stand?
-
Hat
das Center-Management die unternehmerische Kompetenz?
-
Ist
das TGZ ausreichend ausgelastet?
-
Lassen
die bereits angesiedelten Unternehmen Synergieeffekte
erwarten?
-
Bestehen
Kooperationsvereinbarungen mit wissenschaftlichen und
technischen Einrichtungen?
-
Gibt
es eine Branchenspezialisierung?
-
Sind
nationale und internationale Kooperationswerke nutzbar?
Entscheidend
für ein gutes Technologie- und Gründerzentrum ist
letztlich, dass sich das Center-Management nicht nur als
reiner Immobilienverwalter, sondern auch als Innovationsförderer
versteht.
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